Gebrochene Herzen, Sex und alles wieder von vorn

Fabian Schläper begeisterte im vollbesetzten Kornhaus mit Chansons und Kabarett


"Es gibt manche Lieder, die kann man nur blond singen", klärte Fabian Schläper zu Beginn seines Programmes die Zuschauer über den Grund seiner neuen Haarfarbe auf. Dem beinahe unerschöpflichen Thema Liebe hat er sich bei seinem gelungenen Chansonabend verschrieben. Sein neues Bühnenprogramm unter dem Titel "...ich mein ja nur" präsentierte er im Rahmen der Finissage der Ausstellung von Hannes Steinert im Kirchheimer Kornhaus. Zwar war der Andrang so groß, dass die Stühle ausgingen, aber die zahlreichen Besucher, die ins Kornhaus strömten, nahmen auch mit einem Stehplatz vorlieb.
Mit Witz, Geist, Charme und einem Augenzwinkern vertrat er gewagte Behauptungen und präsentierte die verschiedenen Facetten des menschlichen Liebens und Leidens: Im ersten Chanson von Ralph Benatzky, welches recht harmlos "der Klopfgeist" heißt, blieb dabei nichts unausgesprochen: "Frisch gevögelt ist die Welt in Ordnung", lautete das drastische Fazit.
Der Titel des nächsten Liedes, "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine", mag ja zutreffen, dennoch überraschte und amüsierte es, wie schnell sich mit diesem Satz ein One-night-stand rechtfertigen lässt. "Heute regt sich keiner mehr auf, wer wann und mit wem in die Kiste hüpft", stellte Fabian Schläper fest, "Sex mit Weinbergschnecken überrascht auch keinen mehr" und "im Grunde geht es im Leben doch nur um Liebe, Sex, gebrochene Herzen und wieder von vorn."
Dass die Liebe auch ihre Schattenseiten hat und es nicht immer so fröhlich zugeht, das weiß er und auch zum Kapitel Leid und Kummer hat er einiges zu sagen und singen. Der Chansonnier bewies, wie rasch einem das Lachen im Hals stecken bleiben kann und Komik zu Tragik wird: "Im Wunsch "ich bin die Rinnsteinprinzessin, die Gelegenheitsbraut, küss mir das taube Gefühl von der Haut" steckt gleichzeitig das Wissen: "Morgen ist unser Palast nichts mehr wert." Aber das Leid der Liebe kam auch in großer Musik wie dem Lied "Ich liebe dich nicht" mit der Musik von Kurt Weill und dem Text von Maurice Magre zum Ausdruck.
Man muss sein Handwerk schon perfekt beherrschen, um aus Kitsch Klasse zu machen, bei sentimentalen Texten und schmalzigen Melodien glaubwürdig zu bleiben und auch im Banalen Tiefe vermitteln zu können. Fabian Schläper ist dies zweifellos gelungen. Gekonnt hielt er die Balance zwischen Komik und Tragik und spielte mit dem Wechsel von Ironie und Zynismus und ehrlich gemeinten Emotionen. Dass ihn Heinz Lendl am Klavier dabei ganz wesentlich unterstützte, wurde ebenfalls sehr deutlich - auch wenn Fabian Schläper ihn scherzhaft vorstellte als "der, der heute Abend für die Geräusche zuständig ist".
Stets mit einem Augenzwinkern malte der gebürtige Kirchheimer Bilder über die Abgründe der menschlichen Seele: "Man ist bereit, alle seine Gefühle auf einen Menschen zu werfen - aber dann ist keiner da", umriss er pragmatisch allseits bekannte Probleme. Das Nachempfinden des Publikums, wenn er über Liebeskummer oder Lebenskrisen philosophierte, ist sicherlich nur eines der Geheimnisse für seinen Erfolg. Die Zuhörer sind zwischen Weinen und Lachen hin- und hergerissen, denn im Handumdrehen verwandelte Fabian Schläper sich vom Spaßmacher in einen Melancholiker und die gerade noch lachende in eine schweigende Menge.
Dass seine Stärke in den leisen Tönen liegt und dass auch Schlichtheit überzeugen kann, machte der Künstler im Chanson "L'Etranger" oder "Erinnerung an die Marie A." von Bertolt Brecht deutlich. Fabian Schläper kommt mit wenig Raum und einer spärlichen Anzahl von Requisiten aus, die er gezielt einsetzt. Seine Schauspielkunst ist es, die das Publikum verzaubert.
Auch Benjamin Conzen stellte mit seinem Akkordeon eine Bereicherung dar und trug zu einer gelungenen "französisch-melancholischen Atmosphäre" bei. Ebenso wie Heinz Lendl hielt er sich dezent im Hintergrund, wurde nie aufdringlich oder dominant, sondern fügte sich in ein Gesamtbild ein. "Irgendwo am Strand" von Georg Kreisler gehörte dank seiner Unterstützung daher sicherlich auch zu den Höhepunkten des Abends.
Klassiker wie "Kann denn Liebe Sünde sein", "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn" oder der "Kriminaltango", die man von Edith Piaf, Marlene Dietrich oder Zarah Leander kennt, hatten die Künstler ebenfalls im Repertoire und verführten damit das Publikum zu langanhaltendem Applaus.
Fabian Schläper verglich das Gefühls- und Liebesleben mit einer Waschmaschine, berichtete über "böse Klopapierrollen" und erschreckte mit Pistolenschüssen im Dunkeln. Den ganzen Weltschmerz liess er auf einmal aufleben und hielt sich gleichzeitig an Details wie das "Plastikmärkchensuchen für den Einkaufswagen" auf. "In der Bar zum Krokodil" wird "gehackte Mumie an Spinat" serviert und es trifft sich ein Ehepaar, welches sich eigentlich unabhängig voneinander vergnügen und gegenseitig betrügen wollte. Seitensprünge und unstillbare Sehnsucht nach dem Geliebten standen nebeneinander ebenso wie Verzweiflung verlassener Liebender und das "Auf-rosaroten-Wolken-schweben" der Frischverliebten.
Fabian Schläper und Heinz Lendl gelang ein runder Abend, bei dem es nie laut, schrill oder ordinär wurde. Ganz langsam und heimlich hatte sich ein Zauber über den Saal gelegt, und es schien, als müssten sich die Zuschauer erst wieder "freiklatschen", um in den Alltag zurückkehren zu können. Mit drei Zugaben verabschiedeten sich die Künstler. Fabian Schläper verwies noch auf seine "Heimseite im Zwischennetz" und schloss mit den Worten: "Ich hoffe, ihr habt alle euren persönlichen Rosengarten gut in Schuss - wenn nicht, dann holt euch einen Gärtner."

Der Teckbote, 07. März 2001